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   26.03.14 21:44
    Dazu gehören Stärke und






Wenn das eigene Ich zum Feind wird. Meine erste persönliche Erklärung

Seit Jahren schon plagen mich Depressionen. Mal geht es mir besser, mal schlechter. Wovon das abhängt, weiß ich selbst nicht so genau. Ebenso wenig bin ich mir bewusst, wo sie herkommen, die Depressionen. Vor zwei Jahren schon, dachte ich mir, es sei das Beste, sich professionelle Hilfe zu holen, vielleicht mal einen Psychologen oder Psychiater aufzusuchen. Ich wandte mich sogar an meine Mutter, die meinte, ich würde mich anderen Menschen zu sehr verschließen und meine Probleme, Sorgen und Ängste nicht hinauslassen. Recht hatte sie. Ich bin ein guter Zuhörer, ich höre anderen Menschen gerne zu und helfe ihnen weiter wo ich nur kann. Doch über meine eigenen Sorgen zu reden, fällt mir sehr schwer. Ich weiß ja selbst nicht einmal, wieso es mir nicht gut ist. Ich weiß halt nur, dass es mir nicht gut geht. Vor allem abends, wenn ich allein in meinem Zimmer im Bett liege, stelle ich mir immer wieder Fragen, ob mein Leben überhaupt einen Sinn ergibt. Wozu lebe ich eigentlich? Ich bin doch nur ein Mensch, ein Individuum unter Milliarden. Was kann ich denn schon verändern, bewirken, bewegen? Und wozu sollte ich überhaupt irgendetwas bewegen? Die Menschheit ist doch ohnehin so sinnlos, wie die Existenz der Natur und des Universums. Ja, allein der Begriff ,,Sinn´´ kommt mir so abstrakt vor. So viele ,,kluge Köpfe´´ schmeißen mit Begriffen wie ,,Sinn´´oder ,,Entelechie´´ um sich, womöglich ohne gar selbst zu verstehen, was sie den Zuhörern verklickern wollen. Im Film ,,Niceland´´ findet ,,Jed´´ schlussendlich für seine schwer kranke Freundin ,,Chloe´´ heraus was, wie er es formuliert ,,the purpose of life´´ ist. Irgendwie süß. Ich kann den Film auch nur weiterempfehlen. Ich selbst aber, frage mich schon seit sehr langer Zeit, wieso ich lebe. An guten Tagen, erfreue ich mich ungehemmt am Leben, an meine guten Freunden und meinen vielen Bekannten. Doch wenn ich, wie ich sie nenne, ,,schwarze Tage´´, fühle ich mich schrecklich allein. Meine Einsamkeit führt im Extremfall sogar zu Selbsthass und ich bilde mir ein, ich sei meinen Freunden eine Last. Ich kann ihre Gedanken leider nicht lesen, aber ich hoffe, dass dem nicht so ist und dass ich ihnen genau so viel bedeute, wie sie mir. Für meine Familie und meine Freunde würde ich alles tun und allein meine Liebe zu ihnen hat mich bisher vor größeren ,,Dummheiten´´ bewahrt. Ich kann mich allerdings noch sehr genau an diesen einen Tag im November 2012 erinnern. Ich habe aus Langeweile und gutem Willen bei einem Ausbildungswochenende des luxemburgischen Roten Kreuzes mitgemacht. Es geht bei diesen Wochenenden darum, den Umgang mit Kindern zu verbessern, sodass man sie auf Reisen begleiten kann. Das Wochenende an sich war super toll und interessant und ich hätte nie gedacht, dass mein Gemütszustand von einer Minute auf die andere ändern konnte. Meine Familie beherbergte zu dieser Zeit einen slowakischen Austauschschüler, der jedoch für einige Tage zurück in seine Heimat geflogen war. Ich war also nach dem Wochenende sonntags abends wieder allein. Und ich merkte, wie es sie mich überkam. Diese innere Leere. Dunkelheit. Ich fühlte mich allein, verstoßen und unerwünscht. Zum ersten Mal dachte ich daran, meinem Leben ein Ende zu setzen. Ich war entschlossener als je zuvor in meinem Leben, eine Entscheidung zu fällen und dieser ohne Kompromisse auszuführen. Ich wollte nicht mehr leben, diese innere Qual nicht immer wieder spüren. In meiner Verzweiflung schrieb ich meiner Banknachbarin in der Schule, die sich über Sms meiner annahm. Wir schrieben uns sehr lange. Ich erzählte ihr was los sei, sie kam mir mit bedingungslosem Verständnis entgegen und schrieb mir, ich solle meine Gefühle nie wieder vor ihr verstecken. Ich weinte den ganzen Abend still in mein Zimmer hinein und hörte mir zum Trost Lieder von ,,Bakkushan´´ an, die mir, obwohl sie eher melancholisch anklingen, halfen, den Abend zu überstehen. Wahrscheinlich hat Séverine, meine Banknachbarin, mir an diesem Abend mein Leben ,,gerettet´´, ohne sich dessen wirklich je bewusst geworden zu sein. Ich schwor mir am Tag danach, stärker zu sein, nicht so feige wie all jene, die sich vor einen fahrenden Zug werfen um ihren Probleme zu entgehen. Ich wollte nicht mehr feige sein. Mein Umfeld half mir auf merkwürdige Art und Weise auch, diese Stärke nach und nach aufzubauen und ich lernte, über meinen Depressionen zu stehen, die dann abends nur noch an mir vorbei schwammen, ohne mich immer gleich mitzureißen. Diese Jahr aber, ist alles anders. Alles schlimmer. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Irgendwann ist Schluss. Lange ist es ,,gut´´ gegangen. Ich habe mich immer wieder zusammenreißen können, doch es geht einfach nicht mehr. Ich bin jetzt in meinem letzten Lyzeumsjahr, stehe kurz vor meinem Abschluss. Alles sinnlos. Danach gehe ich studieren, 40 Jahre frustriert zur Arbeit, um dann unbemerkt wegzusterben. Oder doch nicht? Im Moment sieht alles danach aus. Zumindest aus meiner Perspektive. Vielleicht liegt es am Stress, den ich mir selbst mache, vielleicht aber auch am Jahr. 2014 hat für mich einfach scheiße angefangen. Nicht nur, dass ich sein November 2013 die Arme entzündet habe und mein Körper deswegen, im Sport nicht die Leistung erzielt, die ich mir wünsche. Nein, auch mein Vater wäre uns fast an einer schweren bakteriellen Infektion gestorben, hätten wir nicht am 5. Januar den Krankenwagen gerufen. Lange lag er im Krankenhaus. Ein Tag später und er wäre tot gewesen. Andere Menschen würden das alles womöglich lockerer nehmen. Ich nicht. Es geht mir ohnehin oft ziemlich mies. Und wie es sich gehört passiert bei mir immer alles zusammen, ohne Rücksicht auf Verluste. Obwohl ich ein sehr viel angenehmeres, ein richtiges Team habe, das zusammenhält wie Pech und Schwefel, fällt es mir schwer, jeden Tag lächelnd zu ihnen zu gehen. Ich muss aber. Ich bin inoffiziell der Mannschaftskapitän, versteh mich mit so gut wie jedem prächtig. Unvermeidbar ist es leider geworden, dass sie nicht merken, wie dreckig es mir geht. Wenn mich meine besten Freunde auf meine schlechte Laune oder offensichtliche Bedrücktheit ansprechen, sage ich ihnen für gewöhnlich, ich sei nur müde. Natürlich wissen sie, dass das nicht stimmt, aber ich bin zu feige, ihnen die Wahrheit zu sagen. Zu groß ist meine Angst, sie könnten mich mit anderen Augen sehen, sich gar von mir abwenden. Von einer Ärztin, die mich wegen der Armgeschichte behandelt hat, bekam ich mehrere Fläschchen Schmerzmittel verschrieben, die mich normalerweise müde werden lassen sollten. Ich aber, blieb die ganze Nacht wach. Meine Depressionen wurden schlimmer dadurch, aber weil das Medikament zu den Opiaten gehört, fühlte ich mich nach ein paar Stunden wohler und fasste im Delirium den Mut, mich einer Freundin anzuvertrauen, die schon längere Zeit Bescheid weiß. Ich müsse mich unbedingt Anderen anvertrauen, so ihre Reaktion. Sie, und auch sicherlich meine Freunde wollten nicht, das ich mir etwas antue. Ich wandte mich dann tatsächlich unter Einfluss des Opiats an eine andere Freundin und ich arbeitete mich auch ohne Medikamente langsam aber sicher nach vorn. So brachte ich es kürzlich endlich übers Herz, mich meiner besten Freundin anzuvertrauen. Lange konnte ich es nicht. Vor einigen Jahren verlor sie ihren Vater, ich war immer für sie da und habe sie, so ihre eigenen Worte, oft aufgefangen, wenn nichts mehr ging. Sie hätte sich gewünscht, ich sei schon früher zu ihr gekommen, aber ich konnte nicht. Zu sehr fühlte ich mich schuldig gegenüber der Person, die mir am meisten bedeutet. Irgendwann werde ich es auch meinem besten Freund erzählen. Momentan weiß ich noch nicht, wie. Er ist jünger und ich will mich nicht schwach vor ihm fühlen. Er hat mir aber schon mehr als deutlich zu verstehen gegeben, ich solle mit ihm reden und ich glaube daran, dass er mich nicht allein lassen wird. Zu hören, dass andere Menschen mich brauchen und mich mögen, hilft mir sehr oft sehr viel weiter. Auch wenn ich es manchmal sehr schwer glaube und mir das Gegenteil einbilde, so habe ich es mir zu meiner eigenen kleinen Lebensaufgabe gemacht, für Andere zu leben. Wenn ich nicht für mich leben will, so will ich denn für meine Familie und Freunde da sein, wenn sie Trost und Unterstützung brauchen. Wenn ich meine Examen geschrieben habe, werde ich mich in Behandlung begeben, das habe ich mir geschworen. Auch wenn ich mich gegenüber ,,gesunden´´ Menschen schwach fühle, wenn ich ihnen von meinem Seelenleben erzähle, gehört doch auch etwas Stärke dazu, sich zu öffnen und Hilfe zuzulassen.
26.3.14 21:25
 
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